Erschütterungsnachweis zum Bauantrag

Hinweise für Architekten und bauvorlageberechtigte Ingenieure


Grundlagen

Für die Errichtung von Neubauten ist vom Bauherrn ein Erschütterungsnachweis bereitzustellen. Er muss i.d.R. nicht mit dem Bauantrag eingereicht werden, aber mit dem Bauantrag ist zu erklären, dass der Erschütterungsnachweis vorliegt.

Die Anforderungen an den Erschütterungsschutz sind in den Bauvorlageverordnungen der Bundesländer unterschiedlich geregelt. So gilt z.B. in Hamburg und Thüringen (HbauO § 17, ThürBauVorlVO § 12): „Der nach bauordnungsrechtlichen Vorschriften geforderte Schall- und Erschütterungsschutz ist nachzuweisen.“ In Brandenburg und Bayern z.B. werden „Berechnungen“ gefordert: „Die Berechnungen müssen den nach bauordnungsrechtlichen Vorschriften geforderten Schall- und Erschütterungsschutz nachweisen.“ (BbgBauVorlV § 12 (1), BauVorlVO Bayern § 12). In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ist mit dem Bauantrag nachzuweisen: „Erschütterungen oder Schwingungen, die von ortsfesten Einrichtungen in baulichen Anlagen oder auf Baugrundstücken ausgehen, sind so zu dämmen, dass Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen“ (BauO Bln § 15 (3), BauVorlVO M-V § 12, § 15, (3) SächsBO § 15, (3)).

Für die Messung, Prognose und Beurteilungen von Erschütterungen existieren z. Zt. keine verbindlichen Rechtsvorschriften. Die Rechtsprechung hat jedoch in den letzten Jahren mehrfach die Anwendung der DIN 4150-2 (für die Einwirkung von Erschütterungen auf Menschen in Gebäuden), sowie der DIN 4150-3 (für die Einwirkung von Erschütterungen auf Gebäude), für zulässig erklärt und in den verbindlichen Hinweisen zur Messung, Beurteilung und Verminderung von Erschütterungsimmissionen der Bund/Länder- Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) wird festgestellt: „Die Bewertung der Erheblichkeit von Belästigungen bzw. Nachteilen durch Erschütterungseinwirkungen im Sinne des Bundesimmissions- gesetzes ist daher anhand von Regelwerken sachverständiger Organisationen oder von einzelfallbezogenen Gutachten vorzunehmen. Die ... genannten Normen können als antizipierte Sachverständigen- gutachten zur Konkretisierung des Begriffs der schädlichen Umwelteinwirkung herangezogen werden.“



Zielstellung

Verbindliche Vorgaben zum Gegenstand des Erschütterungsnachweises als „bauordnungsrechtliche Vorschriften“ existieren z.Zt. nicht. Deshalb wird davon ausgegangen, dass ein Sachverständigengutachten zu erstellen ist, mit dem auf der Grundlage der o.a. Normen nachgewiesen wird, dass einerseits von dem zu beurteilenden Bauvorhaben und der Nutzung des zu errichtenden Bauwerks keine schädigenden bzw. belästigenden Erschütterungen auf Menschen und Gebäude in der Umgebung verursacht werden und andererseits bereits vorhandene Erschütterungsquellen in der Umgebung des Bauvorhabens keine derartigen Einwirkungen auf das zu errichtende Gebäude und die darin befindlichen Menschen verursachen.

Falls mit dem Gutachten jedoch festgestellt wird, das die Realisierung des Bauvorhabens in der vorgesehenen Weise zu schädigenden bzw. belästigenden Erschütterungsimmissionen führen wird, muss es Empfehlungen enthalten, durch welche Maßnahmen die Anforderungen des Immissionsschutzes erfüllt werden können und wie das durch entsprechende erschütterungstechnische Messungen kontrolliert werden muss.

Den o.a. Anforderungen entsprechende Gutachten können wir Ihnen auf der Grundlage unserer nachgewiesenen Fachkompetenz und den Erfahrungen aus über 1000 bisher bearbeiteten Objekten anbieten.

Lösungsweg

Zur Ermittlung der Erschütterungen, die von dem zu beurteilenden Bauvorhaben und später von der Nutzung des zu errichteten Bauwerks in der Umgebung verursacht werden sind Prognoserechnungen auf der Grundlage von DIN 4150-1 erforderlich. Dabei können wir auf eine Datenbank mit den Ergebnissen umfangreicher experimenteller Untersuchungen verschiedenartiger Anlagen und Baumaschinen zurückgreifen, die von uns in zahlreichen Fällen auf Baustellen mit unterschiedlichen Baugrundverhältnissen durchgeführt wurden.

Experimentell ermittelte Exponentialfunktionen zur Beschreibung der Ausbreitung der Erschütterungen beim Verdichten des Gründungspolsters mit verschiedenen Vibrationsplatten und Vibrationswalzen

 Mit den jeweils zutreffenden mathematischen Modellen werden nachfolgend Prognosepläne erstellt, mit denen für jedes Gebäude in der Umgebung des Bauvorhabens die Maximalwerte der Schwinggeschwindigkeit Vmax sowie die Maxima der bewerteten Schwingstärke KBF,max und der Beurteilungsschwingstärke KB F,tr berechnet werden.

 

 Prognoseplan für die Erschütterungen, die beim Verdichten des Gründungspolsters für 4 Doppelhäuser mit einer Vibrationswalze (BOMAG BW 172 D) auf die Nachbarbebauung einwirken.

Danach erfolgt für jedes Nachbargebäude die Beurteilung der Einwirkung der prognostizierten Erschütterungen auf Menschen nach den Anhaltswerten der DIN 5150-2 und auf Fundament und oberste Deckenebene nach den Anhaltswerten der DIN 5150-3.

Falls erforderlich erfolgen Prognose und Beurteilung der Prognoseergebnisse für mehrere Erschütterungsquellen darunter solche, die mit der späteren Nutzung der zu errichtenden baulichen Anlage verbunden sind (z.B. Maschinen in Gewerbebetrieben und Industrieanlagen) sowie solche, die von außen auf das betreffende Gebäude einwirken (z.B. Straßen- bzw. Schienenverkehr).

Erforderliche Informationen und Unterlagen

Für die Erstellung des Erschütterungsnachweises sind folgende Informationen erforderlich:

  • Kontaktdaten: Bauherr und Entwurfsverfasser,
  • Katasterdaten und Belegenheit,
  • Aktenzeichen des Bauantrags bzw. der Baugenehmigung
  • Gebietseinordnung nach BauNVO bzw. Auszug aus dem  Flächennutzungsplan (mit Legende)
  • Gebäudebeschreibung: Keller, Geschosszahl, Baumaterial der Wände und Decken, Verwendungszweck, vorgesehene Erschütterungsquellen (z.B. Maschinen in Werkstätten), 
  • Lageplan (Lagebeziehungen zur Umgebung),
  • Grundriss- und Fundamentplan,
  • Bodengutachten mit Gründungsempfehlung,
  • Übersichtsfotos von den Nachbargebäuden bis ca. 5o m Entfernung,
  • Aufstellung der in der Umgebung vorhandenen Erschütterungsquellen (Industrieanlagen, Gewerbebetriebe), falls zutreffend.
Kosten

Die Honorarkosten für die Erstellung eines Erschütterungs- nachweises für Bauvorhaben geringeren Umfangs (z.B. Einfamilienhaus, Werkstattgebäude, Lagerhalle usw.) betragen ca. 1 300 bis 2 000 € netto. Falls die benötigten Informationen und Unterlagen nicht vom Auftraggeber bereitgestellt werden, erhöht sich der Preis um den Aufwand für Recherchen und eventuell notwendige Besichtigungen.


 

Referenzen (Auswahl)

Erschütterungsnachweis zum Bauvorhaben: 4 Doppelhäuser, Veltener Straße 40 in 16767 Leegebruch 03.12.2020.  

Erschütterungsnachweis zum Bauvorhaben: Lagerhalle 2, Hallesche Straße 8 in 14612 Falkensee 16.11.2020

Erschütterungsnachweis zum Bauvorhaben: EFH Freiburger Straße 47 in 14612 Falkensee 20.12.2019

Erschütterungsprognose zum Bauvorhaben: Umgestaltung der Haltestelle Hauptbahnhof in Schwerin, 03.10.2019

Prognose und Beurteilung baubedingter Erschütterungen beim Ausbau des Fernradwanderwegs Berlin - Kopenhagen, Unterführung Hinckeldeybrücke in Berlin, 18.07.2017.

Erschütterungsprognose für den Bebauungsplan Nr. 103 "Westlich der Bahn" der Gemeinde Wackerow, 17.06.2016

Beweissicherung

Für größere Bauvorhaben in erschütterungsempfindlicher Umgebung können wir Ihnen zusätzlich stichprobenhafte oder kontinuierlich baubegleitende erschütterungstechnische Kontrollmessungen sowie die Zustandsdokumentation der Nachbarbebauung mit Bild und Text zur Beweissicherung anbieten.